Internationale Rundfunk- und Fernseh-Chronik

 

Geschichte Internationale Chronik
Zusammengetragen von Gijsbert Hinnen  
 
Der "Magier der Ätherwellen". Guglielmo Marconi  

"Was mich am meisten beunruhigte war, dass die Idee so elementar, so einfach in ihrer Logik war", schrieb der Erfinder der drahtlosen Telegrafie später, "dass ich kaum glauben konnte, dass niemand daran gedacht hatte, die Idee in die Praxis umzusetzen. Mir selbst erschien die Idee sehr realistisch und deshalb bemerkte ich nicht, dass andere meine Theorie ziemlich phantastisch vorgekommen sein mag."

Die Verwunderung Marconis ist im Grunde verständlich. Alle wichtigen Bausteine für die Entwicklung der drahtlosen Telegrafie waren bereits vorhanden. Es fehlte nur noch ein einfallsreicher Kopf, der sie auch in die richtige Art und Weise zusammensetzte. Für den Sender mit Funkeninduktor und einer Funkenstrecke zeichneten die Professoren Hertz und Righi verantwortlich. Für den Empfang hatte Bradly mit seinem Kohärer das geeignete Gerät erfunden. Und die Antenne schliesslich war der Beitrag des Russen Popow, von dessen Versuchen Marconi aber vermutlich keine Ahnung hatte. Der Italiener erfand Luftdraht und Erdverbindung zum zweiten Mal. Erstaunlich an Marconis Leistung aber ist, dass er gar nicht den Versuch unternahm, die physikalischen Grundlagen seiner Erfindung zu verstehen. Er war sogar stolz darauf: "Ich stelle weder Theorien noch Formeln auf. Ich erkenne, was man in der Praxis tun muss, und finde, Gott sei Dank, fast immer den richtigen Weg."

Der richtige Weg führte ihn nach Poldhu in Cornwall an der Südwestspitze Englands. Am 12. Dezember 1901 ging von dort aus der Morsebuchstabe "S", drei Punkte, 3400 Kilometer weit über den Atlantik nach Neufundland. Danach war die Welt nicht mehr die selbe.

(Roland Gööck "Die grossen Erfindungen - Radio - Fernsehen - Computer", Sigloch Edition 1989)

 
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