| ...und wie HB9B zu einem Funkkontakt
an diesen Ort der Erde kam.
In meinem Bericht an der GV 2002 habe ich darauf hingewiesen,
dass es ein neues Land zu erreichen gibt, welches noch nie in der
Luft war. Die Insel ist ein Teil von Pitcairn ( bekannt als die
Insel Bounty ). Der richtige Name ist Ducie Island. Die genaue geographische
Lage ist : 24.67 Grad S, 124.80 Grad W. Die Insel hat eine Grösse
von 0.7 km2 und der höchste Punkt der Insel ist 4.00m N.N.
Reicht nicht für eine Fahrt mit den Ski’s.
Der Grund der Insel besteht fast nur aus Korallen und Steinen. Ausser
Vögeln hat es dort keine Lebewesen. Seit dem Pitcairn der IARU
als Mitglied beigetreten ist, wurden dadurch die unter der Herrschaft
von Pitcairn stehenden Inseln automatisch auch zu neuen Ländern
erklärt, sofern der Mindestabstand zur Mutterinsel 350km beträgt.
Dies war bei Ducie Island der Fall.
Im November 2001 machten sich 10 Funkamateure auf den Weg, um dieses
neue Land in die Luft zu bringen. Das Unternehmen scheiterte 30
km vor der Insel infolge eines Orkans. Das Schiff musste zurück
nach Pitcairn.
Im März 2002 machten sich wieder 11 Funkamateure auf den
Weg. Diesesmal funktionierte alles und am 16. März 2002 waren
sie unter dem Rufzeichen VP6DI in der Luft.
Ich habe in meinen 17 Jahren als Funkamateur noch nie so etwas
erlebt. Jeder der eine Station zu Hause hatte war auch in der Luft
und die Bänder waren zum Teil auf einer Breite von 100 kHz
belegt. Die Sendefrequenz von VP6DI war während der ganzen
Zeit bei 21.025 Mhz. Die Hörfrequenz von VP6DI lag zwischen
21.030 Mhz und 21.050 Mhz. Als Amateure mussten wir also irgendwo
zwischen 21.030 Mhz und 21.050 Mhz senden. Dies bedeutet etwa soviel,
wie im Lotto einen 6-er mit Zusatzzahl. Es war also fast sinnlos,
die ersten Tage zu rufen. Da ich mit meinem persönlichen Empfänger
gleichzeitig 2 Frequenzen abhören kann, also Stereo links Frequenz
1 rechts Frequenz 2, habe ich die ersten 3 Tage mich nur als Höramateur
betätigt. Dabei habe ich festgestellt, dass die Operateure
in Ducie nach einem bestimmten System die Verbindungen machten.
Nach jeder Verbindung haben sie die Hörfrequenz um ca. 1kHz
erhöht. Das heisst, sie haben bei einem Durchgang über
das Band, 20 Verbindungen gemacht. Die Erste bei 21.030Mhz, die
letzte bei 21.050Mhz. Danach begannen sie wieder bei 21.030Mhz.
So habe ich mich dann am 25. März 2002 das erste Mal gewagt,
HB9B in die Luft zu bringen. Ich habe gewartet bis der Operateur
bei 21.030Mhz die erste Station arbeitete und bin dann auf gut Glück
genau auf 21.038Mhz und habe gerufen. Es ging keine 2 Minuten und
ich hörte HB9B ?. ( Rufzeichen mit nur einem Buchstaben nach
der Zahl sind sehr selten, darum das ? ). Ich habe also mein Rufzeichen
langsam wiederholt und den Empfangsrapport gegeben. Dies wurde 100%
quittiert und HB9B war im Log von VP6DI. Jetzt musste nur noch die
QSL Karte kommen. Nach der Rückkehr aus meinen Ferien waren
einige Luftpostcouverts angekommen. Eines davon war aus Kanada und
ich habe es sofort geöffnet. Und siehe da, darin steckte die
QSL Karte von VP6DI für HB9B:
Dies ist die kleine Geschichte der Bounty Insel und wie HB9B zu
einem Funkkontakt an diesen Ort der Erde kam.
Nick Zinsstag, HB9DDZ op. HB9B
Technischer Leiter Kurzwelle |